Home
Blog
Gästebuch
Familie
Freunde
Laufanfänger
Geocaching
 Laufen, mein Hobby
Jahre in Tabellenform
Schönste Läufe
ESV Minden
Alle Streak
Tagebuch 2018
Tagebuch 2017
Tagebuch 2016
Tagebuch 2015
Tagebuch 2014
Tagebuch 2013
Tagebuch 2012
Tagebuch 2011
Tagebuch  2010
Tagebuch 2009
Tagebuch 2008
Tagebuch 2007
Tagebuch 2006
Tagebuch  2005
Tagebuch 2004
Laufberichte 2017
Laufberichte 2014
Laufberichte 2013
Laufberichte 2012
02.09.2012 Wesergebirge
1. Helenensee Ultra
10.06.2012 Wiehengebirge
09.06.2012 Schaumburg
07.06.2012 Wiehengebirge
03.06.2012 Schaumburgerwald
02.06.2012 Bückeberg
KFT im Bückeberg
21. Gevatterseemarathon
33. Idaturmmarathon
Laufberichte 2011
Laufberichte 2010
Laufberichte 2009
Laufberichte 2007
Laufberichte 2006
Laufberichte 2005
Laufberichte 2004
Laufberichte 2003
Laufjahre u. Sonstiges
Multimedia  "Laufen"
Schmunzelseite
Bilder
Privat
Links
Impressum
  
 


Der 21. Gevattersee Marathon 


04.02.2012

Heute findet der 21. Gevatterseemarathon statt. Ich habe mich früh genug angemeldet. Mein Glück.  Am Vorabend hätte ich es bestimmt nicht mehr getan.  Denn nicht nur die Außentemperatur  ist rapide in den Keller gefallen, nein, dazu kommt auch noch Schnee. Alles Dinge, die ich beim Laufen gerne entbehren kann.

Aber bei Jobst trifft man immer auf so viel nette Menschen, da macht das Laufen bei jedem Wetter Spaß.

Also bin ich heute Morgen bei -15°C zum Gevattersee gefahren. Ist ja echt nur ein Katzensprung von mir entfernt, juhu, so nah vor der eigenen Haustür.

Treffpunkt und Start liegen beim Schul- und Sportzentrum in Petzen.  Jobst und fünf andere Läufer waren schon vor Ort. Freudige Begrüßung und schon war man in einer geselligen Runde.  Ich glaube, keiner der Läufer ist vorher jemals bei solchen Temperaturen Marathon gelaufen, war jedenfalls der Tenor. Also standen hier die Helden des Tages.

Die letzten Minuten vor dem Start vergingen im Fluge. Jobst wurde leicht nervös, weil noch so viele Läufer fehlten. Aber gerade, als wir in Richtung Startpunkt wandern, da kommen die ganzen fehlenden Läufer um die Ecke. Jobst sein Lächeln werd ich nie vergessen. Ich glaube, fast alle die sich gemeldet haben sind letztendlich auch erschienen.

So starten wir dann ziemlich pünktlich am Gully Deckel, dem markantesten Punkt der Strecke, der eigentlich nur mit dem Zielpunkt zu toppen ist. Ach, ist das schön, hier zu laufen.

Die schnellen Hirsche sind natürlich bald  außer Sichtweite  und ehe ich mich versehe, bin ich ganz am Ende des Feldes. Das nehme ich aber ganz gelassen, ich bin halt kein Tempoläufer. Dazu fehlen mir die Voraussetzungen.  Aber ich liebe meine Genussläufe.  Die langen Läufe im Wesergebirge haben mir die Lauffreude tief ins Herz gebrannt. Zeiten sind mir voll egal. Ob ich nun 5 oder 6 Stunden beim Marathon laufe, was soll es. Ich laufe so, dass ich vom Gefühl her mühelos ins Ziel komme. So will ich es auch heute angehen.

Langsam kommt der Körper auf Betriebstemperatur. Zwei Langarmshirts, ein Funktionshirt und ein Thermohemd unter der Gore Windbreaker Jacke lassen ein angenehmes Klima entstehen. Der Buff schützt Hals und Kopf vor der eisigen Kälte. Ich fühle mich rundum pudelwohl und als wir an der Verpflegungsstelle vorbeikommen, auch rundum gut versorgt.

Läuferherz, was begehrst du mehr. So schön kann das Leben sein.

Vor mir, weit voraus,  läuft  Brigitte. Eine starke Frau. Ich glaube, sie hat als einzige Frau alle STUNT 100 Läufe gefinisht.  Da bin ich nur ein kleines Licht, aber ich freue mich immer wieder, mit solch netten Menschen laufen zu dürfen.

So kommen wir dann auch gut vorwärts. Ich versuche nicht abreißen zu lassen, möchte doch gerne dranbleiben.  Nach zwei Kilometern merke ich, das mir das auch gut gelingt. Wir laufen ein gleiches Tempo, nur mit achtzig bis hundert Metern Differenz.  Ganz weit vor Brigitte glaube ich noch Heiner zu erkennen.

Den schmalen Weg neben dem See vorbei, erreichen wir den Wald. Hier herrscht reger Holzbauer Betrieb. Kettensägen stören die Ruhe und Autos mit Anhängern werden mit Holz beladen, als ob es morgen kein Holz mehr gibt.

Schnee und Eis, immer mein Angstgegner, zu stürzen, sich die Knochen zu brechen. Eigentlich Alptraum im Läuferleben. Heute können mich diese Gedanken nicht in Angst und Schrecken versetzen. Ich habe mir gestern Abend noch in meinem  Lauf Shop Yaktrax Pro Schneeketten gekauft. Eine lohnende Investition. Damit hab ich auf diesen ersten Kilometern immer eine feste Spur, kein Rutschen auf Eis und Schnee. Nur wie sich das auf 42 km an den Füßen bemerkbar macht, das wird sich zeigen.

Auf steinhart gefrorenen Boden laufen wir an den Hexenteichen vorbei. Hier hab ich als Kind viele schöne Tage am Wasser gespielt, die Sagen zum Teich gehört und erlebt. Eine schöne Zeit war das. Hier mal offiziell Marathon zu laufen, der Gedanke wäre mir nie gekommen.

Bald führt der Weg aus dem Wald hinaus aufs freie Feld. Ich bin gespannt, wie sich hier die Kälte anfühlt, wo vielleicht noch Wind hinzukommt.  Aber ich werde überaus angenehm überrascht. Ich treffe auf eine so helle, sonnendurchflutete  Laufstrecke, das es schon fast den Augen weh tut. Die Sonne spendet sofort Kraft, macht das Laufen zum Hochgenuß. Es ist einfach nur herrlich.

Viele Spaziergänger kreuzen unsere Wege, vielen netten Hunden begegne ich hier. Der eine oder andere Hunde lässt sich von mir die Ohren kraulen. Als bekennender Hunde Fan kann ich nicht einfach so vorbeilaufen.  Den einen oder anderen kenne ich ja auch schon von meinen Trainingsläufen her.

Ich schwebe auf einer Wolke der Freude. Es ist einfach nur schön, hier und heute zu laufen.

Der Abstand auf Brigitte hat sich nicht verändert. Heiner ist schon weit voraus.

Erstmalig geht es nun am Cafe vorbei in Richtung  Verpflegungsstand. Die erste von insgesamt 10 Runden ist dann vorbei.

Am Verpflegungsstand wechsele ich ein paar Worte mit Brigitte und dann ist Sie auch schon wieder entschwunden.

Ich genieße den leckeren Tee und ein paar Salzstangen und dann geht es weiter.

Die Handschuhe hab ich ausgezogen, die Ärmel des Lauf Shirt über die Handrücken gezogen und wohl genährt trabe ich so dahin.

Traumhaft schön, so ein Wetter. Sonnenschein pur, die Kälte stört überhaupt nicht. Runde um Runde,  ein herrlicher Lauf.

In der vierten Runde laufe ich auf Brigitte auf und kurz danach überhole ich sie. Es tut mir fast schon leid, nachdem sie so lange vor mir war. Aber ich weiß, sie kann da gut mit leben. Sie hat viel zu viel Lauferfahrung auf ganz anderen Strecken, jenseits des Marathons.

Eine Runde später ziehe ich auch an Heiner vorbei. Auch so ein Spezie von Läufer, für den ein Marathon nur ein normaler Lauf ist. Seine Stärken liegen auch auf anderen Strecken. Zäh und ausdauernd, Finisher diverser Ultraläufe. Und ein ganz netter Mensch.

Ich fühle mich noch super drauf, spiele ein bisschen mit dem Tempo.  Es gelingt. Ich kann mich immer mehr absetzen.

Da kommt der Jobst von hinten angeflogen. Er ruft schon lautstark, fragt, wie es mir geht. Wie ich mit dem Wetter klar komme, wie schön es ist, das ich bei ihm laufe.

Solche Menschen müsste es noch mehr geben. Einfach mal wieder Danke schön an Dich und Deine liebevollen Helfer. Was wären wir ohne Euch?

So treibt es mich in dieser wunderschönen verschneiten, mit der schönsten Wintersonne durchfluteten Landschaft weiter. Die Kilometer fliegen dahin.

Nach neun Runden treffe ich am Verpflegungsstand auf einen Läufer, der in seiner letzten Runde ist. Karl-Heinz aus Bückeburg. Gemeinsam laufen wir diese für Ihn letzte Runde.

Ein nettes Gespräch entwickelt sich und die Zeit vergeht in null komma nichts. Als wir um die letzte Ecke biegen, zehn Meter vor dem Zielanschlag, kommt vom Hof ein Auto rückwärts runtergefahren und fährt ihn fast noch um.  Wie kann man als Autofahrerin nur so dösig vom Hof fahren?

Vielleicht ist jetzt eine Beule im Kofferraumdeckel, zu gönnen wäre es ihr. Karl-Heinz ist zum Glück nichts weiter passiert. Glückwunsch für Deine Endzeit und die gute Reaktionszeit.

Ich komme zum letzten Mal an den Verpflegungsstand. Genieße den köstlichen Tee und ein paar Salzstangen. Dann breche ich zur letzten Runde auf. Die letzten drei Wochenenden haben mir sehr gut getan. Jedes Wochenende einen Marathon laufen, das gibt Gefühl und Sicherheit. So schnell kann einen nichts mehr aus der Ruhe bringen. Ich weiß jetzt wieder, dass ich jeden Marathon schaffen kann, wenn mich kein unvorhergesehenes Ereignis wie Verletzung aus dem Rennen wirft. Das Gefühl für den gleichmäßigen Krafteinsatz, die Geduld, alles ist wieder da.

Nach 5:10:20 Std. bin ich überglücklich im Ziel. Kälte und Strecke hab ich gesund überlebt. Was will man mehr.

Glückwunsch an alle Teilnehmer. Bei solchen Bedingungen war es nicht gerade leicht, aber alle sind ins Ziel gekommen. Eine meisterliche Gesamtleistung.

Noch einmal vielen Dank an Jobst und die Helfer im Hintergrund. Es war wieder richtig toll.

Auch dieses Ambiente im Cafe hat seinen Charme. Die gemütliche Runde dort ist ein weiteres I-Tüpfelchen an der perfekten Ausrichtung des Gevatterseemarathons. Dort werde ich auch so öfters mal reinschauen und Kunst und Kultur geniessen.